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Saarbrücker Zeitung vom 16. Januar 2003
Weder Ramsch noch altes Zeug
Seit 1997 hat Raoul Mailänder über 60 Flohmärkte in Saarlouis organisiert
Saarlouis (eng). Es fing nicht wirklich vielversprechend an, damals im Herbst 1997. Raoul Mailänder wollte im Oktober seinen ersten Flohmarkt in eigener Regie veranstalten, aber der fiel buchstäblich ins Wasser. Es regnete aus Kübeln und es war bitterkalt, erinnert er sich. Kein Händler ließ sich blicken, und, kein Händler - kein Käufer - kein Flohmarkt. So einfach ist das. Einen Monat später hatte Mailänder aber dann doch sein Debüt als Flohmarkt -Veranstalter in Saarlouis. Seit dieser etwas schweren Geburt zu Anfang hat der agile 36-jährige Saarlouiser mehr als 60 Flohmärkte alleine in der Kreisstadt organisiert. In der illustren Szene der Händler gilt Mailänder inzwischen als feste, verlässliche Größe.
Die Idee, es einmal mit Flohmärkten zu versuchen, stammt eigentlich von den damaligen Vorständen des Altstadtfördervereins Horst Sommerfeld, Hanno Mouget und dem unvergessenen, 1998 verstorbenen Bernhard Arand. Die drei steckten die Köpfe zusammen und überlegten, wie die Altstadt auch außerhalb der Terrassensaison belebt werden könnte. Auch an Sonntagen im Sommer, wenn das Gastro-Geschäft meist erst am Nachmittag so richtig losgeht, wünschten sich die Vorstände des Vereins mehr und vor allem früher Betrieb. Und was eignet sich dafür besser, als ein regelmäßig stattfindender Flohmarkt? "Hast du keine Lust, das mal zu machen?", wurde die Frage gleich weiter gereicht an Raoul Mailänder. Der nämlich war kein Unbekannter, hatte er doch bereits im Sommer 1997 den Kram-Markt anlässlich des Saarlouiser Altstadtfestes zu aller Zufriedenheit über die Bühne gebracht.
Foto: Engel
Zwölf Flohmärkte managt der ehemalige Student der Betriebswirtschaftslehre pro Jahr. Darüber hinaus gebe es immer wieder Anfragen von unterschiedlichen Veranstaltern. So organisierte er den Flohmarkt in Büschfeld im Rahmen der 1200-Jahr-Feier. Und Mailänder und "seine" Händler sind längst ein eingespieltes Team. "60 von Hundert sind Stammkunden". Man kennt sich und man schätzt sich. Zoff, wie bei manch anderen Märkten, wenn sich die hartgesottenen Händler um die vermeintlich besten Standplätze streiten, gebe es bei ihm nicht, konstatiert Mailänder resolut. "Ich teile die Plätze ein, aber nicht despotisch, sondern der Reihe nach und so gerecht wie möglich." Außerdem gebe es in Saarlouis keine "schlechten" Plätze.
Wie gut die Stimmung auf Mailänders Flohmärkten zuweilen ist, zeigt sich darin, dass einige Händler sich früh morgens, kurz nach dem Aufbau ihrer Stände, zu einem Sektfrühstück zusammen tun und gemeinsam bei guter Laune auf Kundschaft warten. Wenn Mailänder schließlich auf seinem grünen Fahrrad eintrifft, gesellt er sich gerne dazu, hält ein Schwätzchen und kauft auch gerne ein. "Vieles in meiner Wohnung stammt vom Flohmarkt", versichert er.
Die Organisation eines Flohmarktes ist keine ganz leichte Aufgabe, die zudem noch mit Kosten verbunden ist. Die Ausnahmegenehmigung nach dem saarländischen Sonn- und Feiertaggesetz ist einzuholen und kostet Gebühren. Inserate, Plakate und die Platzmiete, die an die Stadt zu entrichten ist, müssen erst einmal vorfinanziert werden. Die Händler wiederum zahlen an Mailänder pro Standmeter ihre Miete, die er, stets auf seinem grünen Rad unterwegs, an den Veranstaltungstagen einkassiert.
Die Stadt und der Altstadtförderverein haben Mailänder vor sechs Jahren zur Auflage gemacht, einen Flohmarkt auf "gehobenem Niveau" zu veranstalten. Das bedeute, erläutert Mailänder, der seinem "richtigen" Beruf in dem Fraulauterner Gartenhaus Hennrich und Bothe nachgeht, dass keine Neuware, also Ramsch aus Geschäftsaufgaben, keine Kleider, keine anstößigen Schriften und Produkte und keine Militaria-Ware angeboten werden dürfen. Auch Speisen und Getränke seien auf den Flohmärkten nicht gestattet. Mailänder: "Unser Ziel ist es ja nicht, den Altstadtwirten Konkurrenz vor die eigene Tür zu holen."
Das System funktioniere sehr gut, freut sich Mailänder. "Ein tolles antiquarisches Buchangebot haben wir auf dem Markt, schönen, alten Schmuck, Vasen, Porzellan und vieles mehr." An jedem dritten Sonntag im Monat findet der Saarlouiser ein Flohmarkt in der Innenstadt statt. Im Winter in der Alten Brauereistraße und in den Sommermonaten stets auf dem Großen Markt.
Wer mehr über Flohmärkte erfahren will: Auf der Internetseite www.altstadtflohmarkt.de kann man es nachlesen.
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